Babylon XI – Fachbegriffe des Cross-Skating Sports

von Frank Röder am 1. Mai 2017

Zehn Folgen waren nicht genug, denn Sprache wird in unserer Sportart nach wie vor angewendet und gepflegt, aber auch mitunter malträtiert und missbraucht. Deswegen wird die Reihe mit unserer „Übersetzungshilfe“ sicher niemals enden. Hier die Folge elf.

aktiver Armschwung: Eine oft gehörte Ski-Vokabel die beim Cross-Skating besonders auffällt. Warum? Weil die Erklärung, was am Armschwung aktiv sei, leider oft nicht erfolgt. Um mit einem Armschwung, also eine rückführende Bewegung oder eine Schwungbewegung nach vorn, zusätzlichen Vortrieb zu erzeugen, müssten diese ausgleichend gegen die bewegten Massen der Beine bewegt werden, also seitlich nach außen. Etwas unelegant, aber das ist genau das mitunter sinnvolle „Gezappel“ der Arme, das man bei Eis-Sprintern kurz nach den Start sehen kann. Dort und so ausgeführt mag es etwas bringen. Dieses seitliche „Schlenkern“ mit den Armen kann dann also temposteigernd sein, aber ist weder auf Skiern, noch auf Rollsportgeräten, bei gleichzeitigem Stockeinsatz möglich. Ob mit dem aktiven Armschwung, statt einem langsamen Vorschwingen der Arme, ein (leider Rückstoß erzeugendes) starkes Beschleunigen der Arme nach vorn gemein ist, konnten uns auch Sportwissenschaftler nicht erklären. Im Cross-Skating ist es daher kaum sinnvoll sich mit dieser Technik zu befassen. Davon abgesehen sind beim Cross-Skating die Übergänge der Stilarten ohnehin sehr fließend, so dass sich Cross-Skater oft sogar in „Zwischen-Stilarten“ bewegen.

„asymmetrisch“: Dieses Adjektiv wird oft auf den Zweitakter oder 1-zu-2-Skating angewendet, dann oft als „1-zu-2 asymmetrisch“. Beim Zweitakter ist ohnehin kaum eine symmetrische Bewegungsausführung möglich, sie ist also immer etwas „schräg“, was sie unter anderem etwas ineffizient und orthopädisch etwas suboptimal macht. Leider wurde in der Vergangenheit zu oft versucht durch Skiläufer, die die Eigenheiten des Cross-Skating nicht kannten, das Cross-Skaten zu unterrichten. Vergessen wird oft, beim unveränderten Übertragen der Ski-Techniken auf das Cross-Skating, die andere Biomechanik, die teilweise durch die anderen Abmessungen der Sportgeräte, aber auch durch etwas anderen Bewegungsmuster beim Cross-Skating begründet ist. Dadurch ist es unnötig, beim Bergauffahren das Gewicht auf einen „Gleitski“ zu verlagern, den Cross-Skater auch gar nicht besitzen. Außerdem fahren Cross-Skater nicht so „breitbeinig“ wie Ski-Skater, die häufig aufpassen müssen sich nicht selbst auf die Skienden zu treten. Auch der Stockaufsatz ist auf hartem Boden anders als auf Schnee. Die Bewegungswege und das Timing sind also zum Skilanglauf-Skating verschieden. Das macht fast jede Überlegungen in Richtung bewusst praktizierter Asymmetrie bei der Cross-Skating Technik überflüssig. Man kann zur Vorbereitung auf die Ski-Saison ein wenig Ski-Skater „spielen“ und durch ski-ähnliche Asymmetrie „so tun als ob“. Das bringt zwar nichts beim Cross-Skating (außer vielleicht einseitige Rückenschmerzen), aber man kann sich an diese „schräge“ Technik des Ski-Skatings zumindest koordinativ wieder etwas annähern. Cross-Skatern muss man es nicht sagen, aber Skiläufern gegenüber muss man es offenbar häufiger erwähnen, dass Cross-Skating und Ski-Skating teilweise erhebliche Unterschiede aufweisen. Gelegentliche leichte Asymmetrie im Cross-Skating Stil ergibt sich allein durch die Platzverhältnisse der Sportgeräte oder unterschiedliche Eigenschaften des Untergrundes unter dem linken und dem rechten Skate. Mehr aber nicht. So wird man, besonders beim Skating-Zweitakter, die Stöcke bei niedrigem Tempo auch minimal asymmetrisch aufsetzen, um zumindest einen der Stöcke näher zur Mitte hin aufzusetzen.

Außenlager: Das ist kein Ausdruck für bestimmtes Ersatzteil an Cross-Skates, sondern ein eleganter und manchmal unlauterer Ausdruck, mit dem manche Händler vermeiden möchten, zuzugeben, dass sie ihre Waren gar nicht feilbieten, wie es der Handelsbrauch und die Verbraucher-Erwartung vorschreibt. Dann heißt es, die Ware sei vom Außenlager aus verfügbar. Ob und wo ein solches existiert ist schwer festzustellen. Dieses „Lager“ ist dann doch vielmehr der eigene Lieferant, wo der Händler erst dann bestellt, wenn Kunden bei ihm nachfragen. Dieses Kostensparmodell bedeutet dann eigentlich „nicht verfügbar, aber ich gebe es nicht zu“. Damit sollen die Kunden angelockt und hingehalten werden und somit der Konkurrenz entzogen werden, die womöglich eine kostenintensive Lagerhalten aufrecht erhält. Wenn das systematisch gemacht wird, ist dieses Geschäftsgebaren unlauter.

Blading Stöcke: Was das genau ist, erklären die Verwender dieses Begriffes leider nicht. Ein Art Kampfsport-Utensil vielleicht? Die Meinungen darüber reichen von „klingt spanned“ über „klingt fernöstlich“ oder „klingt verwirrend“ bis zu „klingt dämlich“. In Verbindung mit dem ausgelutschten Begriff „Nordic“, könnte es sich womöglich um eine Art skandinavisches Samurai-Sportgerät handeln, aber das ist eine etwas vage Hypothese. Auf alle Fälle sollte man, bis genau geklärt ist, womit man es zu tun hat, die Klingen an den Stöcken nicht am falschen Ende anfassen oder gegen Personen richten, denn sicher ist sicher!

Bretonische Methode: Das ist eine Trainingsmethode, die sich auf Grund des rauen „bretonischen“ Asphalts in Trainingslagern in Frankreichs Nordwesten bewährt hat. Da dort widerstandsarmes Training mit Cross-Skates gar nicht möglich ist und durch das Widerstandstraining und die erzwungenen Mikrobewegungen nach rund einer Woche Trainingslager eine spürbare Sekundärwirkung des Trainings eintritt, kann man diese Trainingsform durchaus bewusst zum Setzen besonderer Trainingsreize auswählen. Sie funktioniert natürlich auch in anderen Ländern, aber jede Methode braucht ihren Namen.

Fitness-Studio in der Natur: Eine wohl auf unseren Sport ziemlich zutreffende Floskel, die seit 2011 vom Urheber Cross-Skate-Shop in Werbeprospekten verwendet wird und inzwischen gerne wiederverwendet wird (fällt denen nichts Eigenes ein? Nein…?).

Garantieverlängerung: Oft gelesen, aber fast nie korrekt erklärt, wird offenbar in der Szene der wohlklingende Begriff der Garantierverlängerung. Man geht davon aus, dass eine bereits ausdrücklich vom Hersteller gegebene „Garantnie“ verlängert wird. Das ist sprachlich eindeutig. Eine Garantie ist kein Gesetz, sondern eine freiwillige Leistung, die der Hersteller zusätzlich dem Kunden zusagt und zwar unter seinen Bedingungen, an die er sich dann aber auch halten muss. Wir kennen die „Garantie gegen Durchrostung“, was oberflächlich so klingen mag (und soll?) als würde das Produkt garantiert nie durchrosten (Bedingungen nachlesen!). Die Bedingungen könnten dann aber lauten: „Die Garantie gilt bis 6 Jahre nach Erstzulassung, wenn der Kunde alle Inspektionen in Markenwerkstätten lückenlos durchgeführt hat, der Wagen unfallfrei ist, weniger als 11.000 km/Jahr gefahren wurde und der Eigentümer australischer Abstammung ist, maximal 130 cm groß ist und eine Schuhgröße von mindestens 51 hat.“ Möglich wär’s.
Es gibt aber auch die „gesetzliche Gewährleistung“ (bitte Wikipedia befragen, die Erklärung dort ist ausreichend gut) die gesetzlich vorgeschrieben und alles andere als freiwillig, sondern selbstverständlich ist. Eine „gesetzliche Garantie“ gibt es wiederum nicht. Man kann den Verbraucher auf viele Weisen irritieren, indem ziemlich viele wohlklingende Worte immer schön vermischt, in etwas so: „Wenn Sie die gesetzliche Gewährleistung verlängern möchten…“ Halt, das geht nicht, ist nämlich nicht möglich, also…“Wenn Sie die gesetzliche Garantie…“ Halt, es gibt keine gesetzliche Garantie. Also wenn man, wie auch immer, den Eindruck erweckt, man biete eine 6-monatige Garantie an, die aber eigentlich nur der Gewährleistung entspricht, ist das ein unerlaubtes Werben mit Selbstverständlichkeiten. Auch bei einer „Verlängerung“ anderer Art, deren Leistung sicher anders definiert ist, als die gesetzliche Gewährleistung, erweckt man den Eindruck an diese Leistung anzuknüpfen und verkauft diese dann also im Kombi- oder Doppelpack. Geht, vom Gesetz her, auch nicht – kommt aber trotzdem in der Praxis vor. Wer er genauer wissen möchte, möge juristischen Rat erfragen, den wir hiermit ausdrücklich nicht geben wollen.

Luftreifen-Paradox: Ein Phänomen mit dem vor allem Cross-Skater klar kommen müssen. Auf luftbereiften Rollsportgeräten können viele Techniken angewendet werden, die auf Rollsportgräten mit Kunststoffrollen oder mit Gleitsportgeräten (auf Schnee oder Eis) keine Anwendung finden. Cross-Skates weisen durch ihre besonderen Eigenschafen, nachgiebige Luftreifen, mittlere Baulänge, tiefer Stand und Waden-Bremssystem, bereits viele Alleinstellungsmerkmale auf. Diese verändern die speziellen Eigenschaften und eine angemessene Fachtechnik dermaßen, dass für Cross-Skates andere Reglen gelten. Das Luftreifen-Paradox ist eines davon: Obwohl bei der wünschenswerten hinterradlastigen Gewichtsverteilung beim Cross-Skating, der Rollwiderstand der Vorderräder in gleichem Maße abnimmt, wie der der Hinterräder zunimmt, wird der Gesamtfahrtwiderstand in der Praxis, bei Anwendung dieses Grundprinzips, geringer ausfallen.

Pulsabsenkung: Ein aussagekräftiges Parameter beim Training ist die Absenkung des Pulses nach Belastungen, der so genannte Erholungspuls oder auch die Pulsabsenkung. Wer besser ausdauertrainert ist, hat nach Belastungen eine schnellere Pulsabsenkung in Richtung Ruhepuls. Messwerte genau zu interpretieren ist aber schwierig und erfordert Erfahrung. Besonders automatische Messungen an Fitness-Geräten oder eingebaut in Pulsmesser zeigen oft eine zweifelhafte Auslegung des gemessenen Werte. Es genügt oft zu beobachten, ob der Puls nach Belastungen nicht zu lange „oben“ bleibt und besonders nachts wieder abgesinkt. Das bedeutet, dass man die eigene Trainingsintensität dementsprechend wählen sollte, also nicht zu intensiv oder zu lang, was zu erschöpfend wäre. Dann nämlich bleibt der Puls, sogar bei gut Trainierten, zu lange oben.

Mountaineering-Skates: Eine Cross-Skate Kategorie, die folgende Eigenschaften erfüllt: Dicke und griffige Bereifung; rücklaufgesprrte Räder in Kombination mit einem Schuh-Klappsystem (als „Steighilfe“), das für Abfahrten auch an der Ferse arretiert werden kann; überhitzungsresistente Bremssysteme, die für längere Dauerbremsungen geeignet sind. Mit solchen Cross-Skates sollte eine sportliche Betätigung analog zum Mouttaineering-Skiing möglich sein. Ob sich aber in unserer ohnehin schon kleinen Sportart eine noch erheblich kleinere Unter-Sportart so weit durchsetzt, dass sich auch die Serienproduktion solcher Cross-Skates irgend wann lohnt, ist noch völlig unklar. Möglicherweise setzen sie sich auch wegen der Idee, nicht die gesamte Natur mit Rädern „bezwingen“ zu müssen, gar nicht durch oder wegen fehlender Wege dafür. Fast alle Cross-Skates werden aktuell auf bereits vorhandenen, oft gar nicht so steilen, Wegen eingesetzt, wodurch die Frage nach eventuellen Flurschäden erst gar nicht aufkommt.

statisch-dynamische Methode: Eine Übungs- und Trainingsmethode, die sich in vielen Sportarten bewährt hat. Dabei gilt es zunächst alle kraftübertragenden Bereiche des Körpers zu stabilisieren und zwar durch biomechanisch korrekte Haltung und zusätzlichen Einsatz der Haltemuskulatur („Körperspannung“). Diese „Statik“ an sich ergibt zwar noch keine Leistungsentfaltung, im Gegenteil, sie ist sogar etwas anstrengend, aber sie ist Voraussetzung für eine ökonomische und orthopädisch gering belastende Leistungsentwicklung in vielen Sportarten. Besonders beim Cross-Skating ist der Einsatz dieser Methode sinnvoll, da dieser Sport, für eine Ausdauersportart, einen überdurchschnittlich hohen Anteil an „statischer Muskelarbeit“ enthält oder enthalten sollte.

Vaughn (Training nach Vaughn): Der US-amerikanische Trainer Robert Vaughn (nicht verwechseln mit dem verstorbenen Schauspieler) hat eine zeitsparende Trainingsmethode für den Langstreckenlauf entwickelt mit der signifikante Leistungsverbesserungen erzielt werden konnten. Das Prinzip beruht darauf, dass ausschließlich relativ kurze Trainingseinheiten knapp unterhalb der anaeroben Schwelle absolviert werden. Das Training enthält kein Intervalltraining und keine Einheiten für das Grundlagenausdauertraining. Trotzdem konnten Langstreckenläufer damit ihre Bestzeiten verbessern. Bedenklich ist die Gleichförmigkeit der einzelnen Einheiten, beispielsweise nur Trainingseinheiten von 30 bis 50 Minuten Dauer mit einer Intensität von 5 bis 15 Pulsschlägen unterhalb der anaeroben Schwelle. Diese Methode ist besonders auch auf den Cross-Skating Sport anwendbar, besser sogar als beim Laufen, da die Regeneration schneller stattfindet. Schon in der Anwendung auf andere Ausdauersportarten, wie Triathlon, Duathlon und nun auch Cross-Skating wurde die Methode aber von mir variiert und enthält neben einem großen Anteil „Vaughn-Einheiten“ auch reine Ausdauer-Einheiten, Kraftausdauertraining und Intervalltraining. Dadurch ist es abwechslungsreicher und langfristig erfolgversprechender.

Vorherige Artikel über die Fachbegriffe des Cross-Skating Sports gibt es überarbeitet und zusammengefasst auch als E-Book im Buchhandel. In größeren Abständen fließen die Artikel zu diesem Thema in überarbeitete Neuauflagen dieses E-Books ein. Hallo, Hirnis von „RDF“, schreibt ihr wieder schön ab? Na, wenigstens das könnt ihr!

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